Was NLGI-Klasse und Grundölviskosität bedeuten, wann Lithiumkomplex und wann Hochtemperaturfett gehört und warum Mischen Schaden anrichtet.
Fett ist Öl, das von einem Verdicker an Ort und Stelle gehalten wird. Geschmiert wird vom Öl; der Verdicker bestimmt nur, wie fest das Ganze ist und wie gut es haftet. Wer das im Kopf hat, wählt Fett nach zwei Zahlen aus statt nach der Farbe.
Die NLGI-Klasse beschreibt die Konsistenz. NLGI 2 ist der Standard für Wälzlager und Zentralschmieranlagen. NLGI 1 ist weicher, für lange Leitungen und niedrige Temperaturen. NLGI 3 ist fester, für stehende Lager und Stellen, an denen Fett sonst herausläuft.
Hier passieren die teuren Fehler. Schnell laufende Lager brauchen dünnes Grundöl, sonst walkt das Fett und heizt sich auf. Langsam laufende, hoch belastete Stellen — Bolzen, Gelenke, Baumaschinen — brauchen dickes Grundöl, sonst reißt der Schmierfilm unter Last.
Ein Universalfett mit mittlerer Viskosität passt auf vieles, aber nicht auf beides gleich gut. Wo Last und Stillstand zusammenkommen, gehört ein Hochdruckfett mit EP-Zusätzen hin.
Lithium- und Lithiumkomplexfette decken den Bereich ab, in dem der Alltag stattfindet — etwa −30 bis +140 °C, kurzzeitig mehr. Darüber verkokt das Grundöl und der Verdicker zerfällt; dann gehört ein Hochtemperaturfett auf Basis von Bentonit oder PFPE hin, je nach Anwendung.
Umgekehrt gilt: Ein Hochtemperaturfett an einer normalen Schmierstelle bringt nichts außer Kosten.
Fette mit verschiedenen Verdickern sind oft unverträglich. Die Mischung wird weich, läuft aus dem Lager und schmiert schlechter als jedes der beiden Ausgangsfette. Beim Wechsel des Fetttyps wird die Schmierstelle gespült oder ausgewaschen — nicht einfach nachgedrückt.
Wo Schmierstoff versehentlich mit Lebensmitteln in Berührung kommen kann, ist NSF-H1-Registrierung gefordert. Das ist keine Empfehlung, sondern Bestandteil jedes HACCP-Konzepts — und das erste, wonach ein Auditor fragt.
Das hängt von Drehzahl, Last und Temperatur ab, nicht vom Kalender. Faustregel: Je höher die Temperatur, desto kürzer das Intervall — pro 15 °C mehr etwa die halbe Standzeit.
Für offene Ketten, Gelenke und schwer zugängliche Stellen ja. In geschlossene Lager mit Schmiernippel gehört Fett aus der Presse.
Extreme Pressure — Zusätze, die unter hoher Flächenpressung eine Reaktionsschicht bilden und den Metallkontakt verhindern. Für langsam laufende, hoch belastete Stellen wichtig.
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