Warum Zementschleier sauer gelöst werden muss, welche Beläge das vertragen und wie die Bauschlussreinigung ohne Schäden abläuft.
Zementschleier ist der graue, matte Film, der nach dem Verfugen auf Fliesen, Klinker und Naturstein zurückbleibt. Er sieht aus wie Schmutz, ist aber keiner: Es sind auskristallisierte Calciumverbindungen aus dem Fugenmörtel, die sich fest mit der Oberfläche verbunden haben.
Deshalb hilft Wischen nicht. Ein normaler Reiniger bewegt den Film, löst ihn aber nicht — man verteilt ihn nur gleichmäßiger. Kalk und Zement lassen sich chemisch nur sauer lösen.
Frischer Zementschleier, ein bis drei Tage alt, geht mit vergleichsweise geringem Aufwand ab. Nach zwei Wochen ist er durchkarbonatisiert und deutlich härter. Nach Monaten braucht es mehrere Durchgänge und mechanische Unterstützung — und je länger die Säure einwirken muss, desto größer das Risiko für den Belag. Die Bauschlussreinigung gehört also unmittelbar nach dem Verfugen eingeplant, nicht kurz vor dem Übergabetermin.
Die Fläche vorher gründlich nässen, besonders die Fugen. Eine gesättigte Fuge nimmt kaum Säure auf. Wird trocken gearbeitet, zieht das Mittel in die Fuge ein und wäscht sie aus — der klassische Schaden bei der Zementschleierentfernung, erkennbar an sandenden, ausgemagerten Fugen.
Immer erst die schwächere Konzentration versuchen. An senkrechten Flächen von unten nach oben auftragen: Läuft konzentriertes Mittel über trockenen Untergrund, entstehen Läufer, die man später sieht.
Wenige Minuten reichen meist. Die Fläche darf in dieser Zeit nicht antrocknen — bei Sonne und Wind lieber in kleinen Abschnitten arbeiten.
Mit Pad, Bürste oder Einscheibenmaschine nacharbeiten, während das Mittel noch nass ist. Chemie löst den Schleier an, herunter muss er mechanisch.
Der wichtigste und am häufigsten unterschätzte Schritt. Säurereste in der Fuge arbeiten weiter und zeigen sich Wochen später als Ausblühungen. Mit viel klarem Wasser spülen, bei Bedarf mit einem alkalischen Reiniger neutralisieren.
Mikroporöses Feinsteinzeug reagiert empfindlich auf tensidhaltige Reiniger: Die Tenside hinterlassen einen dünnen Film, der Schmutz bindet, und die Fläche wird nach jeder Reinigung schneller wieder grau. Für die Grundreinigung von Feinsteinzeug gehört deshalb ein tensidfreies Konzentrat eingesetzt.
Saure Konzentrate gehören mit Schutzbrille und beständigen Handschuhen verarbeitet, in geschlossenen Räumen mit Lüftung. Das Sicherheitsdatenblatt sollte vor dem Einsatz auf der Baustelle vorliegen — für gewerbliche Abnehmer ist es ohnehin bereitzustellen.
Nicht mit einem sauren Mittel. Marmor, Kalkstein und Travertin sind karbonatisch — Säure löst das Bindemittel des Steins selbst und hinterlässt matte Ätzstellen. Für diese Beläge sind säurefreie Spezialreiniger einzusetzen.
Eine trockene Fuge saugt das saure Mittel auf und wird von innen ausgewaschen. Sie sandet später und wird brüchig. Eine vorher gesättigte Fuge nimmt kaum Mittel auf und bleibt intakt.
Möglichst innerhalb der ersten Tage. Frischer Schleier lässt sich mit geringer Konzentration lösen; nach einigen Wochen ist er durchkarbonatisiert, braucht längere Einwirkzeit und erhöht damit das Risiko für Belag und Fuge.
Für dünnen, frischen Schleier auf unempfindlichem Belag manchmal. Haushaltsessig ist aber schwach dosiert und schlecht steuerbar, greift Fugen an und riecht in geschlossenen Räumen stark. Im gewerblichen Einsatz ist ein dosierbares Konzentrat mit Sicherheitsdatenblatt die verlässlichere Wahl.
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